Leseproben aus den "Anastasia-Büchern"

Der Hektar – ein Stückchen des Planeten Erde

Aus Band 8.1      13. Kapitel

 

Der Hektar – ein Stückchen des Planeten Erde

 

Manchmal sagt jemand zu mir: “Du aber auch immer mit deinem Hektar – es gibt doch

Wichtigeres!” Ich jedoch denke, heutzutage gibt es nichts Wichtigeres, als unserer

Erde ihre ursprüngliche Blüte zurückzugeben.

Ich spreche deshalb so viel über diesen Hektar Land, weil dahinter unermesslich viel

mehr steht. Mein Verstand und vielleicht auch mein Temperament sind bisweilen etwas

überfordert, um dies angemessen zu erklären, doch wenn die Menschen es ein wenig zu

verstehen beginnen, ist dies bereits ein Sieg.

So geschah es zum Beispiel im Jahre 2003 in Zürich auf einem internationalen Forum.

Ich war von den Organisatoren eingeladen worden und hielt einen Vortrag. Als ich

begann, über die in Russland geborene Idee zu sprechen, bemerkte ich ein mangelndes

Interesse im Saal.

Frage aus dem Publikum: “Wo sehen Sie einen Zusammenhang zwischen einem Hektar Land

und der geistigen Entwicklung des Menschen? Das Problem der Bodenwirtschaft ist

vielleicht für Russland ein wichtiges Thema, hier in Europa jedoch sind diese Fragen

längst geklärt. Wir haben uns hier versammelt, um über Spiritualität zu sprechen.”

Etwas aufgebracht, begann ich zu antworten: “Ich spreche über einen Hektar Land und

über die Errichtung eines Familienlandsitzes auf diesem Land. Einige werden denken,

das sei primitiv. Ich sollte besser über Wissenschaft und Spiritualität sprechen,

weil dies das Thema dieses angesehenen europäischen Forums ist. Ich bin von den

Organisatoren darüber informiert worden, dass in diesem Saal bekannte alternative

Pädagogen, Philosophen und Schriftsteller zugegen sind, deren Thema die Spiritualität

ist. Aber gerade deshalb fühle ich mich dazu verpflichtet, über den Hektar Land zu

sprechen.

Meine Damen und Herren, ich bin überzeugt davon, dass Liebe und Spiritualität nicht

nur den Einzug in unsere Herzen verdienen, sondern sich auch in unserem praktischen

Leben niederschlagen sollten.

Der Hektar Land, den ich meine und von dem auch Anastasia spricht, ist nicht einfach

ein Hektar Land. Er ist ein kosmisches Feld, das uns Menschen mit dem All verbindet.

Auf dieses kosmische Feld – und damit auch auf uns – werden alle Himmelskörper des

Universums reagieren. Sie werden zu unseren Freunden, unseren Helfern und unseren

Mitschöpfern.

Sehen Sie nur, wie die Naturgesetze walten: Eine gewöhnliche Blume – sagen wir eine

Kamillenblume – ist unzertrennlich mit dem Planeten, mit dem Kosmos, mit der Sonne

verbunden. Bei Sonnenaufgang öffnet die Blume ihre Blütenblätter, und bei

Sonnenuntergang schließt sie sie. Sonne und Blume stehen in einer harmonischen

Beziehung. Milliarden von Kilometern, ja Lichtjahre können sie nicht voneinander

trennen. Die große Sonne und die kleine irdische Blume sind fest miteinander

verbunden. Sie wissen, dass sie nur zusammen die Schöpfer der großen kosmischen

Harmonie sind.

Aber die irdischen Pflanzen reagieren nicht nur auf die Sonne. Sie reagieren auch auf

andere Himmelskörper, auf den Menschen und auf die Energie der menschlichen Gefühle.

Hierzu gibt es wissenschaftliche Experimente. Pflanzenforscher haben Sensoren an eine

Zimmerpflanze angeschlossen. Ein Messgerät zeigte die geringsten energetischen

Impulse an, die von der Pflanze ausgingen. Der Reihe nach betraten verschiedene

Personen das Versuchszimmer. Der Erste ging an der Pflanze vorbei, der Zweite trat an

die Pflanze heran und gab ihr Wasser, der Dritte trat ebenfalls an sie heran und riss

ein Blatt von ihr ab. Das Messgerät nun zeigte im dritten Fall, als jemand ein Blatt

abriss, einen deutlichen Zeigerausschlag, was bedeutet, dass die Pflanze mit

Aufregung reagierte.

Oft kann man auch beobachten, dass Blumen verwelken, wenn der Hausherr verreist. Wie

wir also sehen, reagieren alle Pflanzen auf den Menschen. Sie können den Menschen

lieben oder auch nicht lieben und demgemäß ihren Planeten eine liebevolle oder

abneigungsvolle Schwingung senden.

Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, Sie haben einen Hektar Land. Dieser Hektar

Land ist nicht einfach nur ein Kartoffelacker zum Geldverdienen; er ist ein Stück

Land, auf dem Sie, der Sie ein bestimmtes Bewusstseinsniveau erreicht haben, begonnen

haben, ein bestimmtes Niveau von Spiritualität zu kreieren.

Sie haben Ihr eigenes Territorium, auf dem eine Vielzahl von Pflanzen wächst –

angepflanzt nicht von bezahlten Arbeitern, sondern von Ihnen selbst. Jeder Busch,

jeder Grashalm wird Ihnen Liebe entgegenbringen, und als Lebewesen sind diese

Pflanzen in der Lage, für Sie die besten Energien des Universums zu sammeln, um Sie

Ihnen zu geben. Pflanzen ernähren sich nicht nur von irdischer Energie. Sie wissen ja

auch, dass es Pflanzen gibt, die ohne Bodenkontakt wachsen können.

Vor fünftausend Jahren lebten im alten Ägypten Priester, die eine Vielzahl von

Religionen kreierten. Diese Priester waren die Führer ganzer Völker. Sie waren die

reichsten Menschen jener Zeit. In den Kellern ihrer Paläste horteten sie Truhen mit

Gold und Edelsteinen. Sie waren in viele Geheimwissenschaften eingeweiht, und der

Pharao bat sie um Rat und um Geld. Aber jeder dieser mächtigen Priester hatte seinen

eigenen Hektar Land, auf dem es keinem Sklaven erlaubt war zu arbeiten. Diese

superreichen, hoch gebildeten Männer kannten das Geheimnis des Hektars Eigenland. An

den Wänden der altertümlichen Tempel Ägyptens, der Priestertempel, fand man folgende

Inschrift: ‘Nimm niemals Nahrung von deinem Sklaven an.’ Dies ist nur ein Beispiel.

 

Das zweite Beispiel stammt aus dem alten Rom. Die Senatoren dort erließen eine

Verordnung, die besagte, dass ein Sklave, der sich auf Landwirtschaft verstand und

von den Senatoren ein Stück Land erhalten hatte, nur zusammen mit dem Land an einen

anderen Herrn verkauft werden durfte, damit kein Unbefugter dieses Land

bewirtschaften konnte. Warum jedoch gaben die römischen Senatoren überhaupt einigen

Sklaven Land? Aus einem einzigen Grund: um von ihnen 10 Prozent der Ernte in Form von

Naturalien einzufordern, denn die landwirtschaftlichen Produkte dieser Sklaven waren

mit Liebe und Sorgfalt gepflanzt und gezüchtet worden. Und nur von solchen Produkten

hatten die Senatoren einen Nutzen.

Die ägyptischen Priester und die römischen Senatoren wussten genau, welche Nahrung

für den Menschen gesund und bekömmlich ist. Was wir heutzutage essen, sollte auf

keinen Fall als Lebensmittel anerkannt werden, denn diese ‘Nahrung’ ist tot. Es

besteht ein großer Unterschied zwischen einer

Beere, die wir von einem Busch pflücken und uns in den Mund stecken, und einer Beere,

die wir im Laden kaufen. Der Unterschied ist nicht nur der, dass die Beere im Laden

nicht mehr so schön prall und saftig aussieht, nein, sie hat schlicht und einfach

keine Lebensenergie. Sie kann der menschlichen

Seele nicht als Nahrung dienen. Von den genmutierten Kreationen unserer

technokratischen Welt, die nur wie Pflanzen aussehen, will ich gar nicht erst

sprechen.

Wenn Sie also nicht über einen Hektar Land verfügen, werden Sie keine menschenwürdige

Nahrung finden. Natürlich können Sie in einen Laden gehen und Gemüse kaufen. Aber

dieses Gemüse ist nicht für Sie gewachsen. Es ist für keinen Menschen gewachsen – es

ist einzig und allein um des Geldes willen gewachsen.

Es gibt keine Krankheit, die der Raum der Liebe nicht heilen könnte – jener Raum, den

der Mensch mit seinen eigenen Händen und seiner eigenen Seele geschaffen hat.

Die Menschen sind Kinder Gottes. Flora und Fauna, die Luft und der Raum, der uns

umgibt, sind ebenfalls Schöpfungen Gottes. Doch all diese Dinge sind nichts anderes

als Manifestationen von Gottes Geist. Wenn jemand sich für einen hoch spirituellen

Menschen hält, so sollte er zumindest Manifestationen seiner Spiritualität vorweisen

können.

Stellen Sie sich einmal vor, dass Gott jetzt auf uns herunterschaut. Er wird sehen,

wie eines Seiner Kinder eine Straßenbahn fährt, ein anderes baut ein Haus, und wieder

ein anderes steht als Verkäufer hinter einer Ladentheke. Solche Berufe kommen nicht

von Gott. Es sind Sklavenberufe. Gott hat nicht gewollt, dass Seine Kinder Sklaven

werden. Er schuf eine wundervolle Welt und hat sie Seinen Kindern zur Verfügung

gestellt. Nehmen Sie sie und benutzen Sie sie! Aber dafür müssen Sie die Welt

verstehen. Sie müssen verstehen, was der Mond ist und welche Heilkraft zum Beispiel

Schafgarbe hat.

Was hat es nun mit diesem Hektar Land auf sich? Ist es der Ort, wo der Mensch im

Schweiße seines Angesichtes arbeiten soll? Nein! Es ist ein Ort, an dem der Mensch

überhaupt nicht arbeiten soll! Es ist ein Ort, von dem aus der Mensch die Welt lenken

soll. Sagen Sie selbst, an wem wird Gott mehr Gefallen finden? An einem Menschen, der

eine Straßenbahn fährt, oder an einem Menschen, der zwar nur ein kleines Stück Land

besitzt, dieses aber in ein Paradies verwandelt hat? Natürlich an Letzterem.

Sollte man wohl den heutigen Menschen den Weg in den Kosmos weisen? Und sie lehren,

den Mond oder den Mars zu erobern? Nein! Denn ansonsten wird es dort bald auch Waffen

geben, es wird Schmutz geben, und es wird Kriege geben – wie auf der Erde. Der Mensch

ist dazu berufen, andere Welten zu beleben. Das wird jedoch nur dann geschehen, wenn

er weise wird und die Erde belebt. Der Weg, andere Planeten zu besiedeln, ist

keineswegs die Technokratie. Der Weg ist Psychotelepathie.

Der Mensch muss die wahre Schönheit der Schöpfung begreifen.

Ihre Stadt Zürich gilt als eine Perle unter den Großstädten. Wir können es tausend

Mal wiederholen, wie schön Zürich ist. Doch worin genau liegt eigentlich seine

Schönheit? Gut, es ist recht sauber hier, es gibt offensichtlich viele wohlhabende

Menschen. Aber kann man all die vom Asphalt bedeckte Erde hier schön nennen? Ist es

gut, dass das Asphaltmeer nur hier und da von ein paar grünen Inseln durchsetzt ist?

Ist es gut, dass die prächtige Zeder im Zentrum Ihrer Stadt stirbt? Sie erstickt in

Qualm und Auspuffabgasen. Und nicht nur sie stirbt hier, nicht nur sie erstickt hier.

Durch diese Gasen erstickt auch der Mensch, der in diese Stadt kommt.

Wir sollten darüber nachdenken, was wir auf dieser Erde angestellt haben. Nun, lassen

Sie es mich so einfach wie möglich sagen: Jeder von uns sollte sich sein eigenes

Stück Land nehmen und sich mit all seinem Verstand und mit all seiner Spiritualität

ein ganz, ganz kleines, aber konkretes Paradies schaffen. Dann lassen Sie uns all

diese kleinen Flecken Erde auf dem Planeten in blühende Gärten verwandeln und somit

unsere Spiritualität manifestieren, so wie es Gott getan hat. Wenn Millionen von

Menschen überall auf der Welt das Gleiche tun, wird die ganze Erde ein einziger

blühender Garten sein, und es wird keine Kriege mehr geben, weil Millionen von

Menschen von diesem großartigen Schöpfungswerk begeistert sein werden. Wenn dann

Russen in die Schweiz oder nach Deutschland kommen, so nur zu dem Zweck, um die

schönen, lebenssprühenden Oasen zu besichtigen und eine Erfahrung von echter

Spiritualität mitzunehmen.

Leider ist Russland zurzeit bestrebt, den Westen zu imitieren. Die russischen

Politiker gebrauchen in ihren Reden, wenn sie über die westlichen Länder sprechen,

Ausdrücke wie ‘entwickelt’ und ‘zivilisiert’ und fordern die Bürger dazu auf, in der

‘Entwicklung’ und ‘Zivilisiertheit’ aufzuholen. Unsere Politiker wissen jedoch noch

nicht, dass es nicht nur möglich ist, unseren Rücksprung aufzuholen, sondern die

westlichen Länder sogar bei weitem zu überholen. Das geht jedoch nur dann, wenn wir

in die rückwärtige Richtung streben.

Es liegt mir völlig fern, Ihre westliche Zivilisation herabzusetzen oder zu

beleidigen. Aber wenn wir schon über Spiritualität sprechen, so sollten wir

miteinander auch ehrlich umgehen. Spiritualität kann man nicht nur an materiellem

Wohlstand und technischen Errungenschaften messen. Eine solch einseitige,

technokratische Sicht führt die Menschheit unweigerlich ins Verderben. Ich bin mir

sicher, dass all diejenigen, die sich heute hier versammelt haben, dies anerkennen.

Dann sollten Sie aber auch anerkennen, dass Sie bereits näher am Abgrund stehen als

wir und wir Ihnen hinterher laufen. Bitte versuchen Sie, stehen zu bleiben, und

überlegen Sie mal, was mit unserer Welt los ist. Falls Sie es verstehen, dann rufen

Sie denen, die Ihnen hinterher laufen, zu: ‘Haltet ein! Nicht weiterlaufen! Lauft

nicht in den Abgrund! Wir stehen bereits am Rande des Abgrunds. Sucht nach einem

anderen Weg!’

Wir sollten gemeinsam auf unsere Herzen lauschen und dem Begriff Spiritualität

Gestalt verleihen. Ein Hektar ist nur ein winziger Flecken auf unserem Globus. Doch

Millionen solcher Flecken werden den ganzen Planeten in einen blühenden Garten

verwandeln. Durch Trillionen von Blütenblättern und durch das Lächeln von Jung und

Alt werden sie dem Universum mitteilen:

‘Die Menschen dieser Erde sind zu großen Schöpfungswerken bereit.’

‘Wir warten auf euch, ihr Menschen!’, werden die Planeten des Universums antworten.

‘Wir warten auf euch, die würdigen Kinder Gottes.’

Der Grundstein zur großen Transformation wurde zu Beginn unseres Jahrtausends gelegt.

Zehntausende russischer Familien bemühen sich bereits um den Erwerb ihres Hektars.

Ein Vater und eine Mutter, die für ihre Kinder wirklich einen Raum der Liebe

schaffen, sind spiritueller als die berühmtesten Weisen, die bloß über Spiritualität

sprechen.

Möge jede menschliche Seele aus der Erde aufkeimen und gedeihen wie eine schöne

Blume, wie ein Baum mit aromatischen Früchten, und möge dies auf jedem Hektar unseres

Planeten geschehen!”

 

Nach diesen Worten herrschte im Saal eine Zeit lang absolute Stille – dann brach das

Publikum in donnernden Applaus aus.

Auch am folgenden Tag hatte ich einen Auftritt in Zürich. Wieder war der Saal

brechend voll. Unter den Zuhörern erblickte ich etliche meiner ehemaligen Landsleute.

Ich denke, meine Rede war nicht besonders fließend, was aber auch daran lag, dass sie

alle paar Sätze durch die Übersetzung unterbrochen wurde. Dennoch ging niemand weg,

denn zu den Menschen im Saal sprach nicht nur ich, sondern gleichzeitig eine große

Kraft – eine sehr einfache und gleichzeitig ungewöhnliche Kraft, die in den Tiefen

der menschlichen Seele Jahrtausende überdauert hat: die Kraft der Sehnsucht nach der

wahren Lebensweise des menschlichen Schöpfers.

Ich dachte nach: “Ist es wirklich nötig, jemandem zu beweisen, dass all die Söhne und

Töchter Russlands, die durch ungünstige Winde ihrer Heimat entrissen wurden, wieder

zurückkehren sollen? Nein, sie werden auch so zurückkehren!” Erinnern wir uns an die

Worte Anastasias:

“An diesem Tag werden viele Menschen nach Russland strömen. All jene, die ehemals als

Atlanter geboren wurden, werden an diesem Tag wie verlorene Söhne zurückkehren. Mögen

die Menschen in ganz Russland an diesem Tag in der Morgendämmerung erwachen! Mögen

die Saiten der kosmischen Harfe von frohen Melodien erklingen! Mögen auf den Straßen

und in den Höfen die Lauten der Barden zu hören sein! Mögen alle Greise wieder jung

werden, wie sie es ehemals waren!”

Eine schizophrene Gesellschaft?

 

Während ich der Erzählung von Anastasias Großvater über die optimale Ernährung des Menschen zuhörte, musste ich unwillkürlich diese Art von Ernährung mit dem Essen eines heutigen, sogar eines reichen, Menschen vergleichen, der in einem so genannten zivilisierten Staat lebt. Und es setzte sich ein merkwürdiges Bild zusammen.

Schauen wir uns gemeinsam dieses Bild an.
Wir wissen also, dass die Ernährung des Menschen mit frischen, ökologisch sauberen Lebensmitteln am besten funktioniert. Und wir wissen außerdem, dass es in Mutter Natur Pflanzen gibt, die fähig sind, jede beliebige
Krankheit des menschlichen Körpers zu heilen. Stopp, es ist hier wichtig, sich etwas genauer auszudrücken:

In Mutter Natur gibt es Pflanzen, die fähig sind, die Entstehung beliebiger Erkrankungen des menschlichen Körpers zu verhindern. Doch warum sind diese Pflanzen nicht ständig in unserer Nähe zu finden? Warum ziehen wir es unter dem Einfluss irgendwelcher Leute vor, in einer Art und Weise zu leben, die unseren Körper und unseren Verstand systematisch vernichtet? Offensichtlich lacht uns jemand aus, der uns auch noch dazu gebracht hat, diese Lebensweise als zivilisiert zu bezeichnen. Wenn wir Begriffe wie »ein zivilisiertes Land« oder »ein zivilisierter Staat« verwenden, dann meinen wir damit eine Gesellschaft von Menschen, die sich auf einem bestimmten und natürlich als richtig zu bezeichnenden Entwicklungsniveau befinden. Die positive Entwicklung in einer solchen Gesellschaft betrifft unter anderem auch die Ernährungsfragen. Und sogar nicht unter anderem, sondern an erster Stelle. Lasst uns nun einen modernen Supermarkt besuchen. Wer von euch noch nicht im Westen war, kann auch bei uns in Russland einen solchen Laden finden. In Großstädten ist die Warenauswahl in solchen Geschäften sehr ähnlich.
Wir sehen, dass die meisten Waren sehr schön verpackt sind. Ihr Haltbarkeitsdatum verrät uns, dass sie eine lange Zeit gelagert werden dürfen. Möglicherweise werden wir auch eine Menge von getrockneten, eingefrorenen und
hochkonzentrierten Produkten darunter erkennen. Dieses gesamte Warensortiment kann jedoch nicht als frisch bezeichnet werden. In einem Supermarkt wird außerdem noch so genanntes frisches Gemüse angeboten – schön aussehende Tomaten, Gurken und sonstige Gemüsearten. Doch es ist in unserer Zeit schon allgemein bekannt, dass es sich hier um Kreuzungen von Pflanzen handelt, mit dem Ziel, spezielle Sorten zu kreieren, deren schönes Aussehen unter der Einwirkung der Zeit möglichst wenig leidet. Im Vergleich zu einer normalen, natürlichen Frucht lässt die Qualität dieser Lebensmittel sehr zu wünschen übrig. In den europäischen Ländern ist diese Tatsache
nahezu jedem erwachsenen Menschen bekannt. Dort ist bereits ein ganzes Netz von Geschäften entstanden, in denen laut ihren eigenen Angaben nur eine biologisch reine, so genannte »Bioware« angeboten wird. Als Kunde muss man schon bereit sein, fünf Mal höhere Preise für diese Produkte zu bezahlen. Die Gesellschaft in diesen Ländern hat also erkannt, dass die Lebensmittel in den anderen Geschäften, von denen es viel mehr gibt, keine biologische Reinheit aufweisen. Lasst uns doch das Kind beim Namen nennen: Die in den betreffenden Ländern lebenden Menschen haben erkannt, dass sie sich vorwiegend mit ungesunden Lebensmitteln ernähren.
Stopp! Und wie wollen wir nun mit dem Begriff des »zivilisierten Staates« verfahren? Würden Menschen, die in einem wirklich »zivilisierten Staat« leben, ihre Ernährung auf einem Lebensmittelangebot aufbauen, das eine schlechte Qualität aufweist und für ihre Gesundheit sogar schädlich ist? Eine genauere Bezeichnung für einen solchen Staat wäre zum Beispiel »ein unkluger Staat« oder »ein Staat mit einer übers Ohr gehauenen Bevölkerung«. In »unklugen Staaten«, die Russland so fleißig nachzuahmen versucht, zeichnen sich immer mehr Täuschungsmethoden ab, mit denen die Bevölkerung systematisch verdummt werden soll. Schaut euch doch das Geschehen genau an. Ein Mensch ernährt sich mit Lebensmitteln schlechter Qualität und wird immer kränker. Nachdem er krank geworden ist, läuft unser Mensch in die offenen Arme eines weiteren Systems mit dem schönen Namen »Gesundheitswesen «. Um die Menschen zu heilen, verfügt dieses System wiederum über eine große Anzahl von verschiedenen Medikamenten,
Krankenhäusern und wissenschaftlichen Einrichtungen. Doch Heilung kostet Geld. In diesem System werden große Geldbeträge umgesetzt. Und uns wird dabei erzählt, dass an der Perfektionierung dieses System ständig weitergearbeitet wird. Die jährlichen Statistiken beweisen jedoch das Gegenteil. Sie zeigen uns, dass es mit jedem Jahr immer mehr kranke Menschen gibt. Und es kommen ständig neue Krankheiten hinzu, mit denen die Menschheit noch nie zu kämpfen hatte. Nach dem Auftreten von vielen Erscheinungsformen psychischer Krankheiten ist ein neuer Beruf mit der Bezeichnung »Psychotherapeut« populär geworden. Wollen wir uns wirklich noch fragen, warum sich die Gesundheitslage der Bevölkerung in den so genannten »zivilisierten Staaten« immer weiter verschlechtert? Ist das Gesundheitswesen dieser Länder nicht selbst an der Begünstigung dieser Entwicklung beteiligt? Anhand eines Datenvergleichs aus verschiedenen Quellen ist jeder Mensch bei Bedarf in der Lage, sich von der Wahrheit der Aussage zu überzeugen, dass sich die physische Verfassung und die Gesundheit der Menschheit systematisch verschlechtert. Wir sprechen hier über die physische Verfassung des Menschen. Eine noch größere
Rolle spielt jedoch seine Psyche. Kaum wenden wir uns von der aufdringlichen und gleichförmigen Informationsbereitstellung der Medien ab, schon beginnen wir, das Wesentliche um uns herum zu erkennen.
Und, gelinde gesagt, zweifeln wir plötzlich an der Normalität der meisten Bürger der so genannten »zivilisierten Länder«. Beurteilen Sie es selbst. Wollen Sie die von dieser Gesellschaft gewählte Lebensweise als Folge einer schizophrenen Erkrankung betrachten?

Was unternimmt ein Mensch, der einen eigenen Familienlandsitz besitzt, wenn er hungrig ist? Er geht ganz einfach in seinen Garten, pflückt eine frische Frucht und isst diese noch an Ort und Stelle. Und nun betrachten wir uns die Handlungen eines anderen Menschen. Dieser lebt in einer ganz gewöhnlichen Wohnung, in einer ganz gewöhnlichen
Stadt eines modernen Industriestaates. Und nun will dieser ebenfalls einen Apfel essen. Er holt sich etwas Geld, geht in einen Laden und kauft sich einen Apfel, jedoch keinen ganz frischen. Er kauft sich einen Apfel von einem irgendwo gepflanzten Apfelbaum, dessen Früchte von irgendeinem Menschen gepflückt und verpackt wurden.
Dann wurden diese Früchte von irgendeinem anderen Menschen mit einem Fahrzeug oder einem Flugzeug zum Bestimmungsort transportiert. Dort hat jemand bereits einen Laden gebaut und bietet seinen Kunden die gelieferten Äpfel auf Regalen verteilt an. Alle Vorgänge, vom Apfelbaum bis zum Ladenregal, werden von Spezialisten erfasst. Die Akten des Rechnungswesens werden mit immer mehr Papier gefüllt. Zölle, Steuern und andere Abgaben werden erhoben. Eine ganze Reihe von Menschen ist mit so genannten »sinnvollen« Aufgaben beschäftigt. Sie ermöglichen all ihren Gleichgesinnten, sich ebenfalls von den Früchten eines Apfelbaumes zu ernähren. Und derjenige Mensch, dessen Körper nach dem Apfel verlangte, muss erst arbeiten, um ein paar Geldscheine
zu verdienen. Mit diesen Papierscheinen muss er erst die gesamte von jemand erdachte Menschenkette bezahlen, die sich zwischen ihm und dem Apfelbaum befindet. Und die Gesellschaft hält diesen Vorgang für normal. Die unkluge Gesellschaft vermutet nicht einmal, dass jemand den großen Wunsch verspürt und realisiert hat, die Menschen von ihrer wahren Bestimmung abzulenken und sie zu einer Beschäftigung mit sinnlosen Dingen zu zwingen.
Die Menschen wurden schrittweise an diese absurde Situation herangeführt. Schnell funktioniert ein solches Vorhaben nicht. Bei einem schnellen Tempo könnte auch ein wenig entwickelter Mensch sofort bemerken, wie wahnwitzig das Geschehen um ihn herum ist.

Stellen Sie sich nur folgende paradoxe Situation vor:

Eines Tages beschlossen Sie, wie immer in Ihrem Garten zum Apfelbaum zu gehen, um eine Frucht zu pflücken. Sie machen gerade die ersten Schritte von der Außentreppe Ihres Hauses hinunter zum Apfelbaum und sehen plötzlich eine ganze Reihe von Menschen, die bereits auf Sie warten.

»Wer bist du?«, fragen Sie den ersten direkt vor Ihnen stehenden Menschen.

»Ich besitze einen Laden und verkaufe Äpfel«, antwortet dieser sofort.

»Und was sind das für Leute, die hinter dir stehen?«, setzen Sie verwundert fort und hören die Antwort:

»Direkt hinter mir steht mein Äpfellieferant und hinter ihm ein Bauer, der die Äpfel pflückt. Und um uns herum siehst du noch Menschen, die feine Anzüge tragen – sie schreiben genau auf, wie viele Äpfel jeder von uns weitergereicht hat.«

»Hört mal Männer, seid ihr denn ganz verrückt geworden?«, beschweren Sie sich. »Warum beschäftigt ihr euch mit diesem Unsinn? Wer wird euch für diesen Nonsens danken?« Und schon hören Sie die Antwort:

»Du wirst uns danken und wirst uns alle bezahlen. Mit unserem Verdienst werden wir dann auch für uns Äpfel kaufen.« »Ja wo soll ich denn so viel Geld hernehmen?«

»Am besten gehst du mal zu deinem Nachbarn. Am Birnbaum in seinem Garten ist noch eine Buchhalterstelle frei. Nimm diese Stelle an. Dann wirst du Geld verdienen und es an uns weiterbezahlen. Dafür bekommst du von uns
Äpfel, die du essen kannst, wann es dir beliebt.«

Sie werden sagen, es sei völlig absurd und schizophren, so etwas zu veranstalten. Und Sie haben Recht, es ist absurd und sicherlich auch schizophren. Doch das Geschehen um uns herum ähnelt dieser Beschreibung sehr. Ganz offensichtliche Bedingungen für ein gesundes Leben müssen als Traktate dargelegt werden. Nun gut, dann tue ich es auch – da ist mein kleiner Traktat:
[...]

Der Bund zweier Menschen – die Trauung

 

Der Brauch der Trauung als Bündnis zweier Menschen fand gemeinsam mit der gesamten Ortschaft statt und manchmal nahmen mehrere benachbarte oder weiter entfernte Ortschaften daran teil.

Die Begegnung zweier Menschen, die sich in der Zukunft ineinander verlieben würden, ging auf verschiedene Weise vor sich. Es konnten sich junge Bewohner einer Ortschaft ineinander verlieben. Aber meist war es so, dass sich auf einem gemeinsamen Fest der Siedlungen plötzlich die Blicke zweier Menschen trafen und ein Gefühl in ihren Herzen aufflammte.

Er ging zu ihr oder sie zu ihm, das spielte keine Rolle. Vieles konnten die Blicke zweier Menschen einander sagen. Aber auch Worte, die in der Übersetzung in die moderne Sprache ungefähr so klingen:

'Mit dir, du herrliche Göttin, könnte ich den Raum der Liebe für Jahrhunderte schaffen', so sagte er seiner Auserwählten.

Und wenn das Herz des Mädchens mit ebensolcher Liebe antwortete, lautete die Antwort: 'Mein Gott, ich möchte dir zur Seite stehen bei der großen Schöpfung.'

Danach suchten die Verliebten zu zweit einen Ort für ihr künftiges lebendiges Haus. Sie gingen zu zweit hinter die Einfriedung der Ortschaft, wo er mit seinen Eltern lebte, und danach zu der Siedlung, wo sie lebte. Und es gab keine Notwendigkeit, die Eltern von ihrem Vorhaben zu unterrichten. Es verstand auch so jeder in den Ortschaften und wusste von der bevorstehenden Vollendung. Wenn die Verliebten den Ort, wo sie leben würden, im gegenseitigen Einvernehmen gefunden hatten, zogen sie sich oft zu zweit dahin zurück.

Sie übernachteten unter freiem Himmel oder in der erbauten Laubhütte, sie wachten mit der Morgendämmerung auf und verabschiedeten den Tag. Gingen für kurze Zeit in die Häuser ihrer Eltern zurück und eilten wieder an ihren Ort. Er rief sie und zog sie an, so wie das kleine Kind auf unerklärliche Weise die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zieht.

Die Eltern stellten den jungen verliebten Leuten keine Fragen. Sie warteten nur mit Zittern und großer Freude auf die Fragen der Kinder und schauten, wie ihr Sohn oder ihre Tochter in tiefes Nachdenken verfiel.

Die Kinder gingen wieder in ihre große Einsamkeit. So konnte es Monate, ein Jahr, zwei Jahre gehen. In dieser Zeit gab es keine physische, intime Nähe zwischen den Verliebten.

In den wedischen Siedlungen wussten die Menschen: Zwei liebende Herzen erschaffen ein großes Projekt, die Energie der Liebe bringt sie voran.

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Er und sie, die von Kindheit an von ihren Eltern die Lebensweise, das Wissen, die Erkenntnis der wedischen Kultur übernommen hatten, konnten sowohl vom Stern berichten, der am Nachthimmel leuchtet, als auch von der Blume, die mit dem Sonnenaufgang ihre Blätter öffnet, und von der Bestimmung einer Biene und von Energien, die sich im Raum aufhalten.

Er und sie, die von Kindheit an die wunderbaren Familienlandsitze Oasen und paradiesischen Gärten sahen, die ihre Eltern in Liebe schufen, waren nun bestrebt, den eigenen aufzubauen.

Auf dem ausgewählten Grund und Boden mit einer Größe von einem Hektar oder mehr projektierten die Verliebten ein reales Leben. Sie sollten nunmehr gedanklich ein Haus projektieren, für viele Pflanzenarten einen Platz bestimmen, und alles sollte zusammenwirken und einander unterstützen. Alles sollte so angeordnet sein, dass es allein wachsen konnte, ohne große körperliche Anstrengungen des Menschen. Dabei sind viele Nuancen ZU berücksichtigen: die Stellung der Planeten oder die täglichen Luftströmungen.

Im Frühjahr und im Sommer riechen die Pflanzen so aromatisch und senden ätherische Düfte aus. Die Verliebten versuchten, die Pflanzen untereinander so anzuordnen, dass bei dem Hauch eines Lüftchens ein Bukett dieser verschiedenen Düfte in ihren Wohnraum wehte.

So entstand ein nie da gewesenes vollkommenes Ganzes. Es bestand aus Göttlichen Werken. Der von den Verliebten auserwählte Ort sollte sich zudem in ein herrliches, das Auge erfreuendes Bild verwandeln. Nicht auf Leinen, auf der lebendigen Erde wurde in Gedanken ein lebendes Bild für Jahrhunderte erschaffen.

Auch heute kann sich der Mensch vorstellen, wie hinreißend der Gedanke ist und wie man sich konzentriert, wenn man sein eigenes Haus projektieren will.

Und auch der Kleingärtner weiß, wie man sich besonders im Frühling durch den Gedanken an die Zukunft seines Grundstücks hinreißen lässt.

Der talentierte Künstler weiß auch, wie der Gedanke zu begeistern vermag, wenn er an sein zukünftiges Bild denkt.

All diese Bestrebungen zusammen konzentrierten sich in zwei liebenden Herzen. Das Wissen darum wurde durch die Energie der Liebe verstärkt und erzeugte Begeisterung.

Aus diesem Grunde dachten sie nicht einmal an das, was heute als 'sinnliches Vergnügen' bezeichnet wird.

Wenn das Projekt in Gedanken fertig war, gingen die Verliebten zuerst in den Ort, in dem der Bräutigam lebte, und sie gingen in jedes Haus. Sie luden die Hausherren zu Besuch ein. Ihrem Kommen wurde in jedem Haus mit Aufregung entgegengesehen. Die Menschen in der wedischen Kultur wussten: Wenn Verliebte kommen, besucht die neue Energie göttlicher Liebe ihr Anwesen wenigstens für einen Augenblick. Und der jungen Liebe lächelt der herrliche weite Raum jedes Familienlandsitzes. Das ist keine Erfindung, kein okkulter Glaube, denn auch jetzt mag es jeder, wenn neben ihm ein lieber Mensch lebt und kein böser.

Die Verliebten können nicht böse sein, besonders dann nicht, wenn sie zu zweit kommen.

In jeder Familie des Ortes gab es Aufregung. Wenn das junge Paar den Garten, einen Hof oder ein Haus aufsuchte, sprach es mit den Hausherren nur wenig, höchstens einen Satz, wie: 'Oh, wie herrlich ist Ihr Apfelbaum' oder 'Wie tiefsinnig ihr Kater schaut', 'Ihr Bär ist aber taktvoll und fleißig'.

Das Lob der Verliebten über den Baum, der im Garten wächst oder über den Kater, der bei ihnen lebte, bedeutete Anerkennung eines würdigen Lebens der älteren durch die jüngere Generation. Die Bewertung kam immer von Herzen, denn das Lob dieses Menschen bedeutete, dass auch er bei sich solch einen Baum oder einen kleinen Bären haben wollte.

Und mit Stolz und großer Freude vor der ganzen Ortschaft bemühte sich jeder, den jungen Leuten das zu schenken, von dem sie mit ihrem Lob bekundeten, dass sie es gern hätten, und dann warteten sie mit Ungeduld auf den Tag, den die jungen Leute benannt hatten, damit sie ihnen ihr Geschenk überreichen konnten.

Dann gingen die jungen Leute im Ort der Braut von Haus zu Haus. Mitunter reichten drei Tage aus, um die Familienlandsitze in zwei Orten zu besuchen. Manchmal kam es auch vor, dass eine ganze Woche dafür zu wenig war. Wenn die jungen Leute die Landsitze besucht hatten und der für alle festgelegte Tag herangerückt war, kamen alte und junge Leute beider Ortschaften in aller Frühe zu Besuch.

Die Menschen stellten sich um das Stück Land, das die jungen Leute mit trockenen Zweigen gekennzeichnet hatten, auf. In der Mitte, neben der Laubhütte, war ein kleiner Erdhügel, der mit Blumen geschmückt war.

Sieh, jetzt siehst du gleich ein ungewöhnliches Bild!

Da ist er! Sieh! Der junge Mann geht heraus zu den Bewohnern der beiden Ortschaften. Er ist schön, wie Apollo. Helle Haare, blaue Augen so Steigt er auf den Hügel. Er, mit dem Namen Radomir, ist aufgeregt, als er sich vor all den Menschen hinstellt. Alle Augen der Menschen sind nur auf ihn gerichtet. Dann beginnt er in der eingetretenen Stille mit seiner Rede.

Vor allen legt er das Projekt des neuen Raumes, den er mit seiner Liebsten geschaffen hat, dar. Radomir zeigt, wo ein Apfelbaum, ein Kirsch- und ein Birnbaum wachsen werden, wo ein Hain mit Kiefern, Eichen, Zedern und Erlen sein wird, welche Sträucher mit vielen Beeren zwischen ihnen wachsen werden. Er nennt die duftenden Gräser und erzählt, wie bequem die Bienen im Wäldchen ihr Haus bauen können und wo der fleißige Bär im Winter schlafen wird.

Er spricht sehr schnell und begeistert und legt seine Gedanken dar. Seine Rede dauert ungefähr drei Stunden. Aufmerksam und aufgeregt hören ihm die Menschen zu und jedesmal, wenn der junge Mann auf einen Fleck zeigt, Wo nach seinem grandiosen Plan eine Pflanze wachsen soll, tritt einer der ihm zuhörenden Menschen hervor, stellt sich an diesen Platz, wo der Apfelbaum, der Birnbaum oder die Kirsche wachsen soll. Manchmal tritt eine Frau hervor, mal ein Mann oder ein Greis. Es kann aber auch ein Kind sein mit Augen voller Verständnis, Weisheit und Freude.

Die aus dem Kreis heraustretenden Personen haben gerade einen Setzling der Pflanze in der Hand, die der junge Mann genannt hat und zu der er den Platz gezeigt hat, wo sie wachsen soll.

Vor jedem, der aus dem Kreis heraustritt, verneigen sich die anderen, da er das Lob der jungen Leute erhalten hat, als sie ihr Anwesen besuchten, dafür dass es so gut wachsen konnte. Das bedeutet, dass der Heraustretende das Lob des Schöpfers verdient hat, unseres Vaters und alle liebenden Gottes.

Eine solche Schlussfolgerung hatte nichts mit Aberglaube zu tun. Sie ergibt sich logisch.

Die Menschen der wedischen Kultur verhielten sich gegenüber den jung Verliebten, die das Projekt einer herrlichen Oase verwirklichten, wie gegenüber Gottheiten, und dieses Verhalten war berechtigt.

Der Schöpfer hatte die Welt mit Begeisterung, mit Liebe geschaffen. Auch die jungen Leute schufen ihr herrliches Projekt mit der Begeisterung der Liebe.

Nun hat der junge Mann seine Rede beendet und steigt von dem kleinen Hügel hinab, geht zu seinem Mädchen, das aufgeregt und zitternd alles verfolgt. Er nimmt sie bei der Hand und zieht sie auf den Hügel. Nun stehen sie beide auf der Anhöhe. Der junge Mann sagt nun vor allen: 'Den Raum der Liebe hier habe nicht ich allein geschaffen. Neben Ihnen und vor euch steht der Mensch, von dem ich so begeistert bin!'

Das Mädchen, besser gesagt, die Jungfrau, senkt zunächst den Blick.

Jede Frau hat ihre eigene Schönheit. Aber es kann in ihrem Leben Augenblicke geben, da sie über allen steht. In der heutigen Kultur gibt es keine solchen Augenblicke. Aber damals...

Schau! Da richtet sich der Blick Ljubomilas, wie das Mädchen auf der Anhöhe heißt, auf die Menschen. Es ertönt ein Ruf des Entzückens aller Menschen, die vor ihr stehen. Auf dem Antlitz des Mädchens zeichnet sich ein mutiges Lächeln ab. Die Energie der Liebe erfüllt sie. Die Röte ihrer Wangen ist stärker als üblich. Der Gesundheit ausstrahlende Körper der Jungfrau und ihre hellen Augen hüllen die Menschen und alles im Raum um sie herum in Wärme. Ringsherum erstarrt alles für einen Augenblick: Vor den Menschen strahlt eine junge Göttin in all ihrer Schönheit.

Und daher kamen die Eltern der Jungfrau auch nicht gleich zur Anhöhe, auf der die Verliebten stehen, sondern langsam in Begleitung der älteren und jüngeren Familienmitglieder. Sie bleiben bei dem Hügel stehen und verbeugen sich zunächst vor den jungen Leuten. Dann fragt die Mutter das Mädchen, ihre Tochter:

'Die ganze Weisheit unseres Geschlechts ist in dir. Sag uns, meine Tochter, siehst du die Zukunft des von dir erwählten Grund und Bodens?'

'Ja, Mama', sagte die Tochter.

'Sag mir, meine Tochter', setzte die Mutter fort, 'gefällt dir alles in der Zukunft, die du siehst?'

Das junge Mädchen konnte verschieden auf diese Frage antworten. Meist war die Antwort: 'Ja, Mama. Hier wird ein paradiesischer Garten sein, ein lebendiges Haus.'

Aber in dem Fall antwortet das temperamentvolle Mädchen mit geröteten Wangen seiner Mutter vor allen unkonventionell:

'Das Projekt ist gut, es gefällt meiner Seele. Aber ich möchte dennoch mein Eigenes etwas einfließen lassen.'

Sie springt schnell vom Hügel und läuft zwischen den Menschen zum Rand des künftigen Gartens, bleibt stehen und sagt:

'Hier soll ein Nadelbaum stehen und daneben eine Birke. Wenn der „Wind aus der Richtung bläst, trifft er auf die Zweige der Kiefer, dann auf die der Birke. Dann bittet der Wind die Zweige der Bäume im Garten eine Melodie zu singen. Sie wird sich nie genau wiederholen, aber jedes Mal eine Freude für die Seele sein. Und hier ...', das Mädchen geht etwas zur Seite, 'hier sollen Blumen wachsen. Zunächst soll die rote Farbe aufleuchten, hier violett etwas später und hier weinrot.'

Das Mädchen mit roten Wangen wie eine Fee tanzt durch den Garten, und wieder kommen die im Kreis verbliebenen Menschen in Bewegung und eilen, die Samen in der Hand, zu jenen Stellen des Grundstücks, die das leidenschaftliche Mädchen zeigt.

Nach ihrem Tanz eilt sie wieder zum Hügel, stellt sich neben ihren Auserwählten und spricht:

'Jetzt wird hier ein herrlicher Raum sein. Die Erde wird ein wundervolles Bild zeigen.'

Wieder wendet sich die Mutter an das Mädchen: 'Sag allen Menschen, meine Tochter, wer wird die Krönung über diesem herrlichen Raum sein? Wem von allen auf der Erde lebenden Menschen könntest du mit deiner Hand einen Kranz auflegen?'

Das Mädchen lässt den Blick über die Menschen schweifen, die um sie herum stehen mit den Setzlingen und Samen in der Hand. Jeder steht auf dem Platz, den ihm der junge Mann, als er sein Projekt darlegte, zugewiesen hatte und wo das Mädchen das Schöne aufgezeichnet hatte. Aber niemand legt die Samen in die Erde. Der heilige Moment ist noch nicht gekommen. Das Mädchen dreht sich zu dem jungen Mann herum der neben ihr auf dem Hügel steht, und spricht in singendem Tonfall Folgendes:

'Derjenige ist würdig, den Kranz anzunehmen, dessen Gedanken in der Lage sind, die Zukunft schön zu gestalten.'

Bei diesen Worten berührt das Mädchen mit der Hand die Schulter des neben ihr stehenden Mannes. Er sinkt vor ihr auf ein Knie und das Mädchen legt einen schönen Kranz auf seinen Kopf, den die Hand des Mädchens aus duftenden Gräsren geflochten hatte. Dann streichelt sie mit der rechten Hand dreimal über das Haar des gekrönten jungen Mannes und mit der Linken neigt sie seinen Kopf ein wenig zu sich. Dann gibt sie ein Zeichen, und der junge Mann erhebt sich. Das Mädchen läuft vom Hügel herunter und senkt leicht den Kopf als Zeichen des Gehorsams.

In diesem Moment tritt der Vater zu dem über allen stehenden jungen Mann mit dem Kranz. Er wird von der ganzen Familie begleitet. Vor der Anhöhe bleibt er achtungsvoll stehen und nach einer Pause spricht der Vater, der den Blick auf seinen Sohn richtet:

Wer bist du, dessen Gedanken fähig sind, der Liebe Raum zu erschaffen?'

Und der junge Mann gibt zurück:

'Ich bin dein Sohn und der Sohn des Schöpfers.'

'Ein Kranz wurde dir auferlegt als Verkünder einer großen Mission. Was wirst du, der Gekrönte, mit der Macht über deinen Raum machen?'

'Ich werde eine herrliche Zukunft schaffen.'

'Mein Sohn und gekrönter Sohn des Schöpfers, woher wirst du die Kraft und die Begeisterung nehmen?'

'Aus der Liebe!'

'Die Energie der Liebe ist fähig, im gesamten All zu wandern. Wie kannst du die Widerspiegelung der Liebe des Alls auf der Erde erkennen?'

'Es gibt ein Mädchen, Vater, und sie ist für mich die Widerspiegelung der Energie der Liebe des Alls auf der Erde.' Bei diesen Worten geht der junge Mann zu dem Mädchen hinab, nimmt sie bei der Hand und führt sie auf den Hügel.

Sie nehmen sich bei den Händen und sehen, wie zwei Familien eine Gruppe werden, sich umarmen, scherzen und lachen, sowohl kleine Kinder als auch alte Menschen. Wieder wird alles still, als der junge Mann die Hand hebt und spricht:

'Dank an alle, die mir zuhörten. Die Seele hat die Schaffung eines neuen Raums mitgeteilt. Danke allen, die die Energie der Liebe erlebten. Möge das vom Traum der Seele Erdachte als Schössling aus der Erde aufgehen!'

Diese Worte bringen die ringsherum stehenden Menschen in freudige Bewegung. Mit Stolz und Freude und aufgeregt legen die Menschen Samen und Setzlinge in die Erde. Jeder setzt nur einen Setzling an die Stelle, die der junge Mann, als er sein Projekt darlegte, ihm zugewiesen hatte. Diejenigen, denen kein Platz zugewiesen wurde, gehen um das vorher festgelegte Grundstück herum und ein Reigenlied singend, werfen sie den mitgebrachten Samen in die Erde.

Es vergehen nur wenige Minuten, und ein herrlicher Garten ist angelegt, der von einem Traum geschaffene Raum.

Die Menschen treten wieder hinter die Linie des Grundstücks. Nur die zwei Familien umringen noch den Hügel, wo die Verliebten stehen.

Regentröpfchen fallen auf die Erde. Es ist ein sehr warmer, ungewöhnIicher und kurzer Regen -Tränen der Freude und der Rührung des Schöpfers, die den von seinen Kindern geschaffenen herrlichen Raum umspühlen.

Was kann es für den Vater Schöneres geben als die herrliche Schöpfung seiner Kinder?

Wieder hebt der gekrönte junge Mann die Hand und sagt, als alles still ist:

Die Geschöpfe, die der Schöpfer uns geschenkt hat, mögen neben uns in Freundschaft leben.'

Der junge Mann und das Mädchen steigen von der Anhöhe herunter und begeben sich zur Laubhütte, wo sie früher waren, als sie das Projekt vollzogen.

Nach diesen Worten geht jemand aus dem Kreis der Leute zu den iungen Leuten, neben dem ein alter Hund mit seinem Welpen läuft, der Hund ist der, der die jungen Leute bei ihrem Rundgang anerkannt hatte und der ihnen sehr gefiel.

Mit einer Verbeugung schenkt der Mann der Braut den Welpen. Dem alten Hund gibt er ein Kommando und der legt sich zu den Füßen des jungen Mannes mit dem Kranz. Der Hund ist so abgerichtet, dass er dem Menschen hilft, alle anderen Tiere auszubilden. Der junge Mann befiehlt dem Hund, sich an den Eingang zu setzen, und das Mädchen lässt den Welpen in die Laubhütte. Andere Leute kommen nacheinander zur Laubhütte und halten eine kleine Katze oder ein Lamm in der Hand oder führen ein Fohlen oder ein Bärenjunges an der Leine.

Aus Zweigen flechten die Menschen schnell einen Stall neben der Laubhütte und bald sind in der Behausung, wo sich noch vor kurzem Mensehen ausruhten, junge Tiere. Dem kommt eine große Bedeutung zu, denn durch die Nähe werden sie ewig in Freundschaft leben, füreinander sorgen und sich gegenseitig helfen. Das ist keine Mystik, es ist das Gesetz des Schöpfers der Natur. Auch heute kann man sich davon überzeugen. Wenn ein Hundwelpe und ein Kätzchen zusammen aufwachsen, bleiben sie, auch wenn sie groß sind, Freunde.

Charakteristisch für das wedische Zeitalter ist außerdem, dass die Menschen um die Bestimmung anderer Geschöpfe wussten und alle Tiere dem Menschen dienten.

Der Mensch hatte keine Arbeit mit dem Füttern der Tiere – sie ernährten ihn. Die Haustiere und der Mensch waren im wedischen Zeitalter Vegetarier und aßen niemals Fleisch. An eine solche Nahrung dachten sie nicht einmal. Die Vielfalt dessen, was um sie herum wuchs, entsprach dem Geschmack des Menschen und der bei ihm lebenden Tiere voll und ganz.

Auch in diesem Fall bringen die Menschen aus den zwei Ortschaften für die jungen Leute das Beste, was sie haben.

Nachdem sie die Gaben entgegengenommen haben, steigen die jungen Leute nochmals auf den Hügel:

Dank an alle', bedankt sich der gekrönte Bräutigam bei den Anwesenden, 'danke allen für die Schaffung des Raumes. Mein Geschlecht wird ihn über die Jahrhunderte hinweg bewahren.'

'Dank den Müttern, die den Schöpfer gebaren', sagt die junge Braut.

Und sich an den jungen Mann wendend, fügt sie hinzu:

'Zur Freude des Schöpfers der Sonne, des Mondes, der Sterne und der schönen Erde werden wir alles, was du erdenken kannst, erschaffen.'

'Mit dir, wunderschöne Göttin, und mit den Menschen', antwortet der junge Mann der Braut und fügt hinzu:

'Du allein bist fähig, meine Träume zu begeistern.'

Wieder steigen die jungen Leute von der Anhöhe herab und jede der Familien überhäuft sie mit Glückwünschen.

Die Menschen, die um das Grundstück einen Reigen bilden, singen ein fröhliches Lied.

Schon ist es Abend geworden. Mit ihren Verwandten entfernen sich die jungen Leute, jeder in sein Haus. Zwei Nächte und einen Tag werden sie einander jetzt nicht sehen.

Zu Hause angekommen, fällt der junge Mann, der Schöpfer, der seiner Schöpfung viel Kraft gegeben hat, in einen tiefen Schlaf, und die schöne Braut schläft in ihrem Bett.

Die Menschen, die am Ort geblieben sind, wo das Werk in Liebe vollendet wurde, singen noch Reigenlieder. Sie ziehen sich paarweise zurück und die Älteren schwelgen in angenehmen Erinnerungen, wie es bei ihnen an diesem Tag war.

Die besten Handwerker der beiden Ortschaften bauen an einem Tag und in einer Nacht, umgeben von Liedern und Reigen, ein kleines Haus. Sie legen die Balkenkränze dicht aufeinander und dazwischen Moos und duftende Gräser. Einen Tag später stellen die Frauen der Orte die besten Früchte in das neue Haus. Die zwei Mütter bedecken das Bett mit einer Leinendecke, und in der zweiten Nacht entfernen sich alle vom Grundstück.

Die Nacht ist zu Ende, der Bräutigam wacht auf, als die Sonne über der Erde aufgeht. Jubel und Freude erfüllten ihn und das elterliche Haus. Sein erster Gedanke gilt dem Kranz. Er setzt ihn auf den Kopf und lächelt allen glückselig zu.

Zusammen mit seinen Brüdern und Schwestern geht er zum Bach, um sich mit dem Quellwasser zu waschen. Als er durch den Garten geht, sieht Radomir seine Mutter.

Mit einem verdeckten Lächeln blickt die Mutter auf ihren Sohn.

Der junge Mann kann nicht anders, als er seine Mutter sieht – er hebt sie hoch und wirbelt sie durch die Luft wie ein Kind. Dabei ruft er:

'Wie wunderbar ist das Leben, ach Mama, Mama!'

'Huch', ruft die Mutter aus und lacht. Der Großvater lächelt verstohlen. Die Großmutter tritt an die übermütigen Personen heran. Sie hält eine schöne geschnitzte Schöpfkelle in der Hand und sagt:

Halt ein, du junger Gott. Spare deine Energie, die du beim Herumtollen verbrauchst. Trinke den Aufguss aus beruhigenden Kräutern, damit deine Energie dich nicht verbrennt. Ihre Zeit kommt später.'

Als der junge Mann den Aufguss ausgetrunken hat, beginnt er mit dem Großvater ein Gespräch über den Sinn des Lebens, über das Weltall doch bald fallen ihm wegen des Aufgusses die Augen zu und der junge Mann den die Großmutter als jungen Gott bezeichnete, sinkt auf der gestickten Bettdecke in einen tiefen Schlaf.

Wieso? Warum nannte die Großmutter den Enkel einen Gott? Übertrieb sie damit nicht, weil sie den Jubel des Enkels sah? Nein kein bisschen' Ihr Enkel hat Dinge vollbracht, die Gottes Namen würdig sind.

Gott hat die Erde erschaffen und alles, was auf ihr wächst und lebt. Der junge Mann, der über alle Kenntnisse seiner Vorfahren verfügt, erkannte die Bestimmung vieler Werke zur großen Freude des Schöpfers. Nachdem er diese analysiert hatte, schuf er daraus eine herrliche lebende Oase, die Ihm, seiner Liebsten und der Generation ihrer Kinder, sowie den Menschen, die in den Jahrhunderten die herrliche Schöpfung der Liebe schauen werden, Lebensfreude bringen wird,

Welche der menschlichen Taten auf der Erde kann Gott am meisten erfreuen ? Was kann ein Mensch, der ein Menschenleben auf der Erde verbringt, Besseres und Bedeutenderes tun?

Der Hochzeitstag in der wedischen Kultur ist kein okkultes Ritual. In ihm liegt ein reeller großer Sinn, das Streben nach dem Ebenbild des göttlichen Daseins.

Indem der junge verliebte Mann sein Streben und sein Wissen den Mensehen zeigte, legte er vor ihnen eine Art Prüfung ab. Aus seinen Handlungen war ersichtlich, dass er über das ganze Wissen aller Generationen vom Ursprung an verfügt. Aber er brachte auch sein Eigenes mit ein. Alle Menschen würdigten das, was er geschaffen hatte. Mit großer Freude hatten sie an den genannten Stellen Bäume gesetzt und Gräser gepflanzt, und in jedem Frühjahr wird die gemeinsame Schöpfung nun bunter und bunter erstrahlen.

Kein Nachbar wird neidisch sein, wenn er sie betrachtet, denn jeder hatte Seins zur Schöpfung beigetragen. Jeder hatte einen Schössling gesetzt. Wenn es noch mehr solcher Familienlandsitze geben wird, wird die Erde wieder ind einen blühenden götlichen Garten gekleidet sein. Jeder in der wedischen Kultur wusste, das Leben des Menschen ist ihm auf ewig gegeben. Das Leben wiederholt sich dann auf herrliche Art und Weise, wenn die Lebenden nach dem Schönen streben!

Die Familienlandsitze! Die Familienlandsitze in der wedischen Kultur!

Sie sind es doch, die später in okkulten Büchern als Paradies bezeichnet wurden. Als der Reichtum an Wissen verloren war, war man der Meinung, dass man sie nur über den Wolken erblicken könne. Alles rührt nur daher, dass man einen Grund hat, dem Bedeutung heizumessen, was man als moderne führende Wissenschaft bezeichnet und was in Wirklichkeit nur dazu dient, die Armseligkeit der Gedanken zu Rechtfertigen.

Ein solcher Streit ist ohne Taten sinnlos, aber die Handlungen zur Beilegung solcher Streitigkeiten können ganz einfach sein. Wenn zum Beispiel die heute auf der Erde lebenden renommierten Wissenschaftler versuchen, nur eine Oase für eine Familie zu schaffen, erfüllen sie eine Aufgahe, mit der jeder verliebte junge Mann in der wedischen Kultur zurechtkam.

Ein Familienlandsitz, auf dem eine glückliche Familie lebt, muss den Nahrungsbedarf jedes Familienmitglieds ständig decken können.

Hier dürfen nicht einmal Ansätze einer Krankheit zugelassen werden. Indem die Realität des Bildes sich ändert, wird der Blick des Menschen in jeder Minute erquickt. Das Gehör soll sich an der Vielfalt der Töne erfreuen und der Geruchssinn an den aromatisch duftenden Blüten.

Der Familienlandsitz muss ätherische Nahrung für die Seele gehen, das neugeborene Kind pflegen und die Liebe auf ewig halten. Dabei sollen die Mitglieder der ganzen Familie keine Kräfte aufwenden, ihre Gedanken müssen frei bleiben. Die Gedanken sind den Menschen für das Schöpferische gegeben.

Die wissenschaftliche Welt ist stolz auf illusorische Dinge: 'Schaut, Raketen fliegen ins All für das Wohl der Menschen.' Ist das etwa zu ihrem Wohl?

'Schaut, Bomben fallen zu eurer Verteidigung'“

'Sind sie aber etwa für die Verteidigung?

'Schaut, der gelehrte Arzt rettet euer Leben.' Davor jedoch wurde das Leben jede Minute durch die Lebensweise vernichtet. Das Leben eines Sklaven wird gerettet, um seine Qualen zu verlängern.

Die Welt der Wissenschaft wird nicht in der Lage sein, auch nur ein Ahhild eines herrlichen Familienlandsitzes zu schaffen, schon deshalb, weil es ein Gesetz des Universums gibt. Ein Schöpfer, der von der Liebe erfüllt ist, ist stärker als alle Wissenschaften, die keine Liebe in sich tragen.

Der gekrönte junge Mann schlief schon die zweite Nacht. Nichts störte seinen tiefen Schlaf. Nur das Bild der Geliebten glänzte wie Sternenlicht. Im Traum setzte er sich gleich dem geschaffenen Raum, der Macht und der Vielfalt des Universums.

Radomir wachte vor dem Morgengrauen auf. Er weckte niemanden, setzte seinen Kranz auf und nahm das Hemd, das seine Mutter bestickt hatte. Er lief zum Bach mit dem Quellwasser.

Der Mond beleuchtete den frühen Weg, Girlanden aus Sternen blinkten noch am Firmament. Als er sich im Bach gewaschen hatte, zog er das Hemd an und ging schnell an das ersehnte Werk. Der Himmel wurde heller.

Und nun steht er allein an dem Ort, wo vor kurzem noch das jubelnde Fest der beiden Ortschaften war und den er mit seinem Traum erschuf.

Derjenige, der etwas Ähnliches nie erlebt hat, wird nicht verstehen, welche Macht an Gefühlen und Empfindungen in einem Menschen in einem solchen Augenblick sein kann.

Man könnte die Gefühle und Empfindungen als göttlich bezeichnen. Und diese Gefühle wuchsen in zitternder Erwartung des Strahls der Dämmerung an, in dem … Da ist sie! Sie, seine schöne Ljubomila! Sie steht im Schein des Strahls der Dämmerung. Sie war ihm und ihrem Werk entgegengeeilt.

Aus einer inneren Vision heraus war sie zu Radomir geeilt. Für die Vollendung gibt es keine Grenzen, natürlich, aber die Zeit blieb plötzlich für die beiden stehen. Im Nebel ihrer Gefühle gingen sie in das neue Haus hinein. Ein Festmahl auf dem Tisch, ein lockender Duft der Trockenblumen ging von der bestickten Decke auf dem Bett aus:

'Woran denkst du jetzt?', flüsterte sie aufgeregt.

'An unser künftiges Kind.' Radomir zuckte zusammen, als er Ljubomila erblickte. 'Wie schön du bist!' Er konnte sich nicht zurückhalten und berührte vorsichtig ihre Schulter und Wangen mit seiner Hand.

Der heiße Atem der Liebe hüllte die beiden ein und trug sie fort in unbekannte Höhen.

Niemand kann auch in Millionen Jahren im Detail beschreiben, was mit ihr und mit ihm geschieht, wenn im beiderseitigen Ausbruch der Liebe beide zur Schöpfung ineinander fließen und die Menschen das eigene und Gottes Abbild vollenden.

Die Menschengötter der wedischen Kultur wussten jedoch genau: Wenn das unerklärliche Wunder vollzogen wird, bei dem zwei sich verbinden, bleiben sie dennoch sie selbst, und gleichzeitig zuckt das Universum in einem unerklärlichen Augenblick zusammen und sieht eine Vision: barfuß, mit den Füßchen die Sterne berührend, strebt die Seele eines Kindes der Erde zu, mit sich die zwei und den dritten in einem verkörpernd.

Der Akt der Schließung des Bundes zweier Verliebter im wedischen Zeitalter kann nicht dem Okkultismus zugeschrieben werden. Er ist rational. Er entsprach ihrer Lebensweise. Das wachsende Gefühl der Liebe zueinander in jedem Familienpaar spricht von der Ebene dieser Kultur.

Heute erlischt bei Ehepaaren das Gefühl der Liebe füreinander fast immer. Die Energie der Liebe verlässt sie und es wird von der menschlichen Gesellschaft aufgenommen, als müsste das so sein. Aber diese Situation ist für den Menschen unnatürlich. Sie zeugt davon, dass die Lebensweise der Menschen von heute unnatürlich ist.

Nicht mit dem Verstand, sondern mit dem Herzen und der Seele verstanden die Verliebten im wedischen Zeitalter, dass das Aufflammen der Gefühle der Liebe ein Aufruf zur göttlichen Schöpfung ist.

Achte darauf, was die Verliebten zuerst vorhatten. Im Ausbruch der Begeisterung erschufen sie zu zweit gedanklich ein Projekt. Das Projekt des Raumes für ihre Liebe. In dem von ihnen geschaffenen Raum zeugten sie ein Kind. Drei wesentliche Gefühle der Liebe vereinten sie in eines für immer, denn der Mensch liebt sein ganzes Leben lang, unerklärlich für sich selbst, den Heimatort – seine Heimat, sein Kind und die Frau, mit der er das alles schuf. Drei Gefühle der Liebe, nicht nur eins, können ewig leben. Die Geburt eines Sohnes oder einer Tochter in einer Familie des wedischen Zeitalters ist auch ein hochrangiges Fest und ein Brauch mit Lebenssinn. Es gab noch viele Feste in jenen Zeiten. Es gab keine Ehebrüche. Millionen glücklicher Familien schmückten die Erde. Erst später sagen einige der heutigen Historiker, um den Regierenden zu gefallen, dass der Urmensch einst dumm war. Er tötete die Tiere, aß hingebungsvoll deren Fleisch und kleidete sich in die Pelze. Derjenige hat eine ungeheure Lüge nötig, der die Abscheulichkeit seiner Taten zu rechtfertigen versucht.“

 

Quelle: Anastasia Buchreihe von W. Megre, Band 6 „Das Wissen der Ahnen“ Seite 118 bis 135

Der Dämon Kratie

Aus einem Dialog zwischen Anastasia und Wladimir:
 
    „Die Jahrhunderte ziehen dahin, die Namen der Gesellschaftsordnungen ändern sich, doch eines bleibt: die Ausbeutung der Menschen.“
    „Nun ja, so ganz gleich ist schon nicht alles geblieben. Früher gab es eine Sklavenhaltergesellschaft, heute haben wir die Demokratie. Ich denke, die Ausbeutung ist heute längst nicht so schlimm wie früher“.
   “Wenn du möchtest, Wladimir, werde ich dir ein Bild aus der Vergangenheit zeigen und dir ein Gleichnis erzählen.“
   „Ja, bitte tu das.“
   „Also gut.“

7. Kapitel

Der Dämon Kratie

„Langsam gingen die Sklaven hintereinander her; jeder von ihnen trug einen geschliffenen Stein. Vier solcher Reihen, jede anderthalb Kilometer lang – von den Steinpolierern bis zu der Stelle, wo die Festungsstadt gebaut wurde –  wurden von Wächtern streng behütet. Auf zehn Sklaven kam ein Wächter. Auf der Seite der Sklaven saß auf einem dreißig Meter hohen, aus geschliffenen Steinen errichteten Hügel der Hohepriester Kratie. Vier Monate lang hatte er schweigend das Geschehen beobachtet. Niemand störte ihn, niemand wagte auch nur, seine Gedanken durch einen Blick zu unterbrechen. Für die Sklaven und die Wächter war der künstliche Hügel ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Landschaft. Und dem Menschen, der da oben mal reglos auf seinem Thron saß und mal auf der Gipfelplattform des Hügels umherging, schenkte schon niemand mehr Beachtung. Kratie hatte die Aufgabe übernommen, den Staat umzugestalten, um die Macht der Priester über die Menschen dieser Erde auf Jahrtausende hinaus zu festigen und sie alle, einschließlich der so genannten Herrscher, zu Sklaven der Priester zu machen.


Einmal stieg Kratie nach unten und ließ seinen Doppelgänger auf dem Thron  Platz nehmen. Der Hohepriester selbst wechselte seine Kleidung und nahm seine Perücke ab. Dem Oberwächter befahl er, ihn wie einen gewöhnlichen Sklaven in Ketten legen zu lassen und ihn in die Sklaven einzureihen, hinter einem jungen, kräftigen Burschen namens Nard. Kratie hatte den Sklaven ins Gesicht geschaut, und ihm war aufgefallen, dass Nard einen forschenden, wertenden Blick hatte, nicht einen ruhelosen oder abgestumpften Blick wie die meisten anderen. Nards Gesicht machte mal einen nachdenklichen, konzentrierten Eindruck, dann wieder sah er erregt aus. „Das bedeutet, er denkt über einen Plan nach“, hatte der Hohepriester überlegt und wollte sich nun davon überzeugen, inwieweit er mit seiner Beobachtung Recht hatte. Zwei Tage lang ging Kratie Steine schleppend hinter Nard her, saß während des Essens neben ihm und schlief neben ihm auf der Pritsche. In der dritten Nacht dann, als gerade das Kommando zum Schlafen gegeben worden war. Drehte er sich zu dem jungen Sklaven um und flüsterte verbittert vor sich hin: ‚Soll es denn das ganze Leben so weitergehen?’
   ’Der Priester sah, dass der junge Sklave aufzuckte und ihm sogleich sein Gesicht zuwandte. Die Augen des Sklaven glänzten, ja funkelten im trüben Fackellicht der großen Baracke. ‚Es wird nicht mehr lange dauern. Ich habe einen Plan. Und du, Alter, kannst mitmachen, wenn du magst’, flüsterte ihm der junge Sklave zu.
‚Was für einen Plan?’, fragte der Priester scheinbar gleichgültig und mit einem Seufzer. ‚Du und ich, wir beide werden schon bald frei sein. Überleg mal, auf zehn Sklaven kommt jeweils ein Wächter. Ebenso gibt es einen Wächter für fünfzehn Sklavinnen, die kochen und nähen. Wenn wir uns zu einem abgemachten Zeitpunkt alle gemeinsam auf die Wächter stürzen, können wir sie überwältigen. Sie sind zwar bewaffnet, aber wir haben unsere eisernen Ketten. Wir können sie wie eine Waffe einsetzen und uns damit ihrer Schwertstreiche erwehren. Wir werden alle Wächter entwaffnen, sie fesseln und ihnen die Waffen abnehmen.’
   ‚Ach, seufzte Kratie teilnahmslos, ich glaube, dein Plan ist nicht sehr gut durchdacht. Mag sein, dass wir die Wächter überwältigen können, aber der Herrscher wird schon bald neue Wächter schicken, vielleicht sogar eine ganze Armee, und die werden den Sklavenaufstand blutig niederschlagen.’  
   ‚Daran habe ich auch gedacht, Alter. Wir müssen einen Zeitpunkt wählen, wenn die Armee nicht da ist. Und bis dahin ist es nicht mehr lang. Wie wir sehen, bereitet sich die Armee auf einen langen Marsch vor. Sie haben Proviant für drei Monate Marschzeit herbeigebracht. In etwa drei Monaten werden sie zur geplanten Stelle kommen und eine Schlacht schlagen. In der Schlacht werden sie viele Männer verlieren, aber sie werden siegen und viele neue Sklaven mitbringen. Schon jetzt werden Baracken für ihre Unterbringung gebaut. Wir sollten die Wächter entwaffnen, sobald die Armee unseres Herrschers mit der anderen Armee in den Kampf verwickelt ist. Die Boten werden einen Monat brauchen, um die Kunde vom Aufstand und den Befehl zur sofortigen Rückkehr zu überbringen. Die geschwächte Armee wird mindestens noch einmal drei  Monate bis hierher unterwegs sein. Wir werden also vier Monate Zeit haben, uns für die Begegnung mit ihnen zu rüsten. Zahlenmäßig werden wir den Soldaten nicht unterlegen sein, denn die neuen Sklaven werden sich auf unsere Seite schlagen, wenn sie sehen, was geschehen ist. Nein, nein, Alter, ich habe schon alles gut durchdacht’!
   ‚In Ordnung, junger Mann, angenommen, dein Plan funktioniert und es gelingt dir, die Wächter zu entwaffnen und die Armee zu bezwingen’, sagte der Alte schon etwas munterer, aber was werden die Sklaven dann machen, und was soll mit dem Herrscherhaus, mit den Wächtern und den Soldaten geschehen?’
   ‚Mit dieser Frage habe ich mich noch nicht so sehr beschäftigt, aber bis jetzt habe ich folgende Idee: Wer heute ein Sklave ist, soll dann kein Sklave mehr  sein – und umgekehrt’, überlegte Nard laut, wenngleich er davon nicht völlig überzeugt zu sein schien. Und was soll mit den Priestern geschehen? Sag, sollen sie nach deinem Plan Sklaven sein oder nicht?’
   ‚Die Priester? An die habe ich gar nicht gedacht! Aber ich nehme mal an, sie sollen ruhig bleiben, was sie sind. Sowohl die Herrschenden als auch die Sklaven gehorchen ihnen. Es ist nicht immer leicht, sie zu verstehen, aber ich  halte sie für unschädlich. Sollen sie ruhig weiter von den Göttern erzählen! Was aber unser Leben betrifft, so haben wir ihren Rat nicht nötig.’
   ‚Haben wir ihren Rat nicht nötig … soso, na gut’, antwortete der Hohepriester, gähnte laut und drehte sich auf die Seite In dieser Nacht konnte Kratie jedoch nicht schlafen. Er dachte nach. ‚Das Einfachste wäre natürlich’, so überlegte er, ‚den Herrscher über das Gespräch zu unterrichten und den jungen Sklaven festzunehmen. Das wird das Problem aber nicht lösen. Die Sklaven werden immer den Wunsch nach Freiheit haben. Es wird neue Anführer geben, die neue Pläne entwickeln, und somit wird die Hauptgefahr für den Staat immer im Staate selbst wohnen.
   ’Kratie war mit der Aufgabe betraut worden, einen Plan zur Knechtung der ganzen Welt zu erdenken. Und er erkannte: Mit physischer Gewalt allein war das Ziel nicht zu erreichen. Jeder Mensch und jedes Volk musste psychologisch beeinflusst werden. Der Mensch musste in seinem Bewusstsein umgepolt werden, sodass er dachte: Die Sklaverei ist der höchste Segen. Es musste ein Programm her, um das Wissen aller Völker und ihre Orientierung in Raum und Zeit gründlich zu verwirren – vor allem aber ihre Wahrnehmung der Realität. Kratie Verstand arbeitete immer schneller. Allmählich schwand ihm die Wahrnehmung seines Körpers und damit auch der Ketten an seinen Händen und Füßen. Und auf einmal hatte er einen Geistesblitz. Das Programm, nach dem er suchte, manifestierte sich vor seinen Augen – noch etwas verschwommen, aber doch deutlich spürbar in seiner atemberaubenden Größe. Kratie sah sich als Alleinherrscher der ganzen Welt. Der Priester lag auf seiner Pritsche, gefesselt an eiserne Ketten, doch in Gedanken war er ganz woanders: ‚Morgen früh, wenn alle zur Arbeit geführt werden, werde ich dem Leiter des Wachtrupps das verabredete Zeichen geben, und er wird mich aus dem Sklavenzug wegführen und mir die Ketten abnehmen lassen. Dann werde ich mein Programm ausarbeiten, ein paar Worte sprechen und der Wandel der Welt wird seinen Lauf nehmen. Unglaublich! Nur ein paar Worte, und die ganze Welt wird sich meinem Plan unterwerfen. Tatsächlich – Gott gab dem Menschen die Kraft des Geistes, und im ganzen Universum gibt es keine Kraft, die ihr gleichkommt. Durch diese Kraft werden Worte geschaffen, die wiederum das Rad der Geschichte verändern können.  
   Eine sehr günstige Gelegenheit, die sich mir da bietet: Die Sklaven planen einen Aufstand – durchaus kein unrealistischer Plan. Ich würde sogar sagen, dieser Plan könnte ihnen recht gute Zwischenergebnisse bescheren. Aber nur ein paar Worte von mir, und ich werde nicht nur die Sklaven selbst, sondern auch ihre Nachkommen und sogar die Herrscher der Sklaven auf Jahrtausende hinaus in die Knie zwingen.
   ’Am nächsten Morgen nahm der Leiter der Wache Kratie auf dessen Zeichen hin die Ketten ab. Und bereits am folgenden Tag waren die anderen fünf  Hohepriester und der Pharao auf die Beobachtungsplattform Kraties eingeladen. Vor dieser Versammlung begann Kratie seine Rede: ‚Was ihr jetzt von mir hören werdet, soll von niemandem aufgezeichnet oder weitererzählt werden. Um uns gibt es keine Wände, und niemand außer euch wird unser Gespräch mithören. Ich habe einen Plan erdacht, um alle Menschen auf Erden zu Sklaven des Pharaos zu machen. Dieses Ziel ist nicht einmal mit sehr großen Armeen und ausgiebigen Kriegen zu erreichen. Ich jedoch werde dies mit nur wenigen Worten erreichen. Lasst nur zwei Tage verstreichen, und ihr werdet euch mit eigenen Augen überzeugen können, wie die Welt sich zu verändern beginnt. Seht dort unten die Sklaven: In langen Reihen schleppen sie Steine. Sie werden von vielen Soldaten bewacht. Wir haben immer gedacht: je mehr Sklaven, desto besser für den Staat. Doch je mehr Sklaven es gibt, desto mehr muss man sich vor einem Aufruhr furchten. Was tun wir? Wir verstärken die Bewachung. Wir sind gezwungen, sie gut zu ernähren, sonst können sie die schwere körperliche Arbeit nicht leisten. Dennoch sind sie faul und neigen zur Rebellion. Seht, wie langsam sie sich bewegen, doch diese unfähigen Wachen peitschen nicht einmal die gesunden, starken Sklaven. – Aber sie werden sich viel schneller bewegen. Und Wächter werden wir gar nicht mehr brauchen. Wir werden sie ebenfalls zu Sklaven machen. Glaubt mir, das ist zu schaffen. Noch heute vor Sonnenuntergang sollen die Herolde eine Verordnung des Pharaos verlesen, in der es heißt: «Mit  Anbruch des morgigen Tages soll allen Sklaven volle Freiheit gewährt werden. Für jeden Stein, den ein freier Bürger in die Stadt liefert, soll er eine Münze bekommen. Die Münzen kann er tauschen gegen Nahrung, Kleidung, eine Behausung, einen Palast in der Stadt oder sogar eine eigene Stadt. Von nun an seid ihr alle freie Bürger!»
   Nachdem die Hohepriester sich die Worte Kraties durch den Kopf hatten gehen lassen, meinte der Älteste von ihnen: ‚Du bist ein Dämon, Kratie. Die von dir beabsichtigte Dämonie wird viele Völker beherrschen.’ ‚Wenn ich ein Dämon bin, dann sollen in Zukunft die Menschen meine Idee Demokratie nennen.’

Die Verordnung wurde bei Sonnenuntergang den Sklaven vorgelesen. Dies waren so erstaunt, dass sie aus lauter Vorfreude auf ihr neues, glückliches Leben nicht einschlafen konnten. Am Morgen des nächsten Tages stiegen die Hohepriester und der Pharao erneut auf die Plattform des künstlich angelegten Hügels. Das Bild, das sich Ihren Blicken bot, verblüffte sie vollends. Tausende von Menschen, die ehemaligen Sklaven, schleppten unermüdlich und voll Tatendrang die gleichen Steine wie zuvor. Sie schwitzten, und einige trugen sogar zwei Steine. Andere, die nur einen Stein trugen, liefen so schnell, dass sie dabei Staub aufwirbelten. Auch einige Wachsoldaten schleppten jetzt Steine. Die Menschen, die sich nun für frei hielten, da man ihnen ja die Ketten abgenommen hatte, waren bestrebt. Möglichst viele der heiß begehrten Münzen zu verdienen, um sich eine glückliche Zukunft aufbauen zu können. Kratie verbrachte noch einige Monate auf seinem Thron und sah mit Befriedigung dem regen Treiben am Fuße seines Hügels zu. Die Veränderungen waren umwerfend. Ein Teil der Sklaven hatte sich zu kleinen Gruppen zusammengeschlossen. Sie hatten Karren gebaut, auf die sie die Steine aufluden und die sie unter großer Anstrengung vorwärts stießen. ‚Sieh an, wie erfinderisch sie sind!’, dachte Kratie zufrieden. ‚Jetzt gibt es schon erste Dienstleistungen: Wasserträger und Essensverkäufer. Einige Sklaven wollen keine Zeit für den Weg zur Baracke verschwenden, um dort etwas zu essen, und so zahlen sie andere dafür, ihnen Erfrischungen und Nahrung zu bringen. Und siehe da, Ärzte gibt es auch! Sie behandeln Steinträger, die Hilfe benötigen, während der Arbeit und werden dafür mit Münzen bezahlt. Auch haben sie jemanden dazu eingesetzt, den Verkehr zu regeln. Bald werden sie sicher auch Vorgesetzte und einen Richter wählen. Sollen sie nur! Sie halten sich für frei, aber im Grunde hat sich nichts geändert. Sie schleppen weiter Steine … wie früher.’  
   So laufen sie nun schon seit Jahrtausenden durch den Staub und schleppen im Schweiße ihres Angesichts die schweren Steine. Und die heutigen Nachkommen dieser Sklaven machen es ihnen munter nach …“

   „Du meinst damit wahrscheinlich die einfachen Arbeiter, Anastasia, nicht wahr? Meinetwegen, da will ich dir Recht geben. Aber Betriebsleiter, Beamte und Unternehmer sind ganz sicher nicht den Sklaven zuzurechnen.“
   „Du siehst da also Unterschiede, Wladimir. Könntest du bitte ausfuhren. Worin diese Unterschiede bestehen?“
   „Darin, dass einige schwere Steine schleppen oder sich sonst wie abrackern hingegen leiten diese Schlepperei beziehungsweise den Produktionsprozess, um einen zeitgemäßen Ausdruck zu gebrauchen „
   „Aber diese Leitung ist doch auch eine Arbeit. Oft ist sie sogar noch schwieriger als das Tragen der Steine.“
   „Nun gut, in gewissem Sinne ja, Unternehmer müssen mehr denken. Ihr Kopf ist von morgens bis abends mit der Arbeit beschäftigt. Aber was ist mit der Pharaonen, Präsidenten und Kanzlern – sind sie etwa ebenfalls Sklaven?“

   „So ist es. Auch die Priester, die an dieser fatalen Intrige beteiligt waren, wurden Sklaven.“

   „Aber wenn auch die Priester Sklaven sind, wer sind dann die Sklavenhalter?“ 

   „Die künstliche Welt, die von den Menschen erschaffen wurde. Und die Wächter sitzen meist im Innern der Menschen und peitschen sie dazu an, mehr Geld zu verdienen.“
   „Das Ganze ergibt ja ein recht tristes, aussichtsloses Bild. In den vergangenen Jahrtausenden sind ganze Weltreiche entstanden und untergegangen, Religionen und Gesetze haben sich gewandelt, doch im Grunde hat sich nichts geändert, denn nach wie vor ist der Mensch ein Sklave. Lässt sich denn wirklich nichts tun, um diese Lage zu ändern?“
    „Doch.“
    „Was? Und wer könnte das tun?’’
    „Ein Bild.“
    „Was denn für ein Bild?“
    „Ein neues Leitbild, das den Menschen eine neue Weltsicht vermittelt. Überleg mal, Wladimir, die Menschen, die heute kraft ihres Geldes die Welt beherrschen, denken, nur Macht und Geld könnten dem Menschen zu Glück verhelfen. Und die meisten Menschen, die danach streben, Geld zu verdienen, sind ebenfalls davon überzeugt. Aber oft – sogar sehr oft – leiden gerade die Gewinner dieser sinnlosen Hetzjagd. Sie erreichen illusorische Höhen und empfinden die Sinnlosigkeit ihres Lebens stärker als andere. Ich werde dir jetzt eine Szene aus dem zukünftigen Leben beschreiben. Schreibe sie nieder, und möge sie sich verwirklichen!“

Quelle: Anastasia „Neue Zivilisation“ Wladimir Megre  and 8.1